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August Wurm

Ein Wurm kommt selten allein

August Wurm 

Hier geht's zum Video-Clip: Das Gilchinger Wasser

Gilching – Wer in Gilching nicht unbedingt zum Kreis eingefleischter Pflanzen- und Kräuterliebhaber gehört, nimmt Reißaus, kommt August Wurm um die Ecke. Nicht, dass es sich bei dem 86-Jährigen um einen unliebsamen Zeitgenossen handeln würde. Nein, ganz und gar nicht. Vielmehr ist es die Leidenschaft des passionierten Botanikers, die so manch’ zufällige Begegnung zu einer sehr ungewöhnlichen werden lässt. Spätestens dann nämlich, hat er dich entdeckt, ist es an der Zeit, den eigenen Tagesplan über den Haufen zu werfen. „Gut, dass ich sie treffe…“ und schon sprudelt es aus August Wurm heraus. Ohne Punkt und Komma referiert er über die Pflanzen und Heilkräuter, die gerade angesagt sind und die speziell gegen Herzprobleme, Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Bluthoch- und Blutniederdruck, Hitzewallungen, Darmverstopfung und sonstige Wehwehchen helfen. „Falls sie Kreislaufprobleme haben, das Beste ist, sie nehmen Digitals purpurea…“. Doch Wurm lehrt nicht nur während Einkaufstouren und Spaziergängen, was es mit der Flora so auf sich hat. Er lädt auch regelmäßig interessierte Menschen, Schulen und Kindergärten in sein ganz persönliches Refugium in die Gilchinger Waldbühne am Steinberg ein. Eine Idylle, die Balsam für jede Seele ist. Tausende von kleinen beschrifteten Fläschchen, in denen einzelne Halme oder Zweige stecken, ein dirigierender Buchenschössling, ein aus Abfallholz gefertigtes Pferdchen, ein mit Steinen gedeckter Tisch und etliche verschlungene Wege, die durch eine scheinbar heile Welt führen. Und mitten drin im Dickicht eine Freiluft-Arena, in der regelmäßig Theateraufführungen, Konzerte und Vorträge stattfinden.
Geboren am 11.11.1925 in Gilching wuchs August Wurm mit elf Schwestern und einem Bruder auf. „Unsere Mama musste uns 13 Kinder ohne einen Vater aufziehen. Der war im Krieg ums Leben gekommen. Sie hat es, ohne je Beihilfe oder Kindergeld zu bekommen, dennoch geschafft. Wichtig war bei uns immer die Musik.“ Weshalb auch heute noch alle Geschwister, vier Schwestern sind bereits verstorben, bis auf ihn, aktiv Musik machen. Die älteste Schwester von August Wurm wurde 1912 geboren und engagiert sich seit 1938 für die Dominikanerinnen als Schwester Benedikta in Südafrika. Auch seine Schwester Paula, 1932 geboren, ist ins Kloster gegangen. Sie kümmert sich heute im Waldsanatorium in Krailling um pflegebedürftige Menschen und erfreut ihre Patienten und Mitschwestern gelegentlich durch ein Spiel auf der Orgel. „Bei zwei Klosterschwestern, die immer für mich beten, ist mein Seelenheil gerettet. Ich kann anstellen, was ich will, ich komme in jedem Fall in den Himmel“, weiß Wurm.

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